Nilgänse in Tübingen: Exkursion der Kreisjägervereinigung Tübingen

Fast 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen am 1. Oktober 2026 zu einer Exkursion rund um die Nilgans zur Neckarinsel. Die Kreisjägervereinigung (KJV) Tübingen hatte die Veranstaltung gemeinsam mit Armin Mozaffari Jovein, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Tübingen, organisiert.

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Als politische Gäste waren die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Sarah Schweizer, MdL, die Erste Landesbeamtin des Landkreises Tübingen, Dr. Daniela Hüttig, und der CDU-Kreisvorsitzende Christoph Nasser, MdB, mit dabei.

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden KJV-Vorsitzenden Manfred Roth erläuterte Klaus Lachenmaier, Wildbiologe beim Landesjagdverband Baden-Württemberg, wie die Nilgans nach Europa und Deutschland gelangt ist und warum ihre Biologie sie so erfolgreich macht.

Eine Art, die sich bei uns bestens zurechtfindet

Die Nilgans stammt aus den tropischen Gebieten Afrikas. Die Tiere sind sehr langlebig und können mehrmals im Jahr brüten, dadurch wächst die Population stark. Die Folgen sind inzwischen deutlich spürbar. Stockenten werden vielerorts kaum noch gesehen, und auch andere Arten leiden unter der Konkurrenz. Zwar ist die Nilgans häufig in Städten anzutreffen, da sie kurz gemähte Rasenflächen, wie es sie in Parks und Freibädern gibt, bevorzugt. Im Fellbach Schwimmbad etwa hatten sich die Nilgänse nicht nur die Liegewiesen, sondern selbst die Schwimmbecken zu eigen gemacht. Gleichzeitig nehmen aber auch die Schäden in der Landwirtschaft zu. 

„Nilgans-Erwartungsland“ Baden-Württemberg.

Staatssekretärin Sarah Schweizer überbrachte Grüße der neuen Landwirtschaftsministerin Marion Gentes und berichtete über den aktuellen Stand im Umgang mit der invasiven Art auf Landesebene. Nach Schweizers Angaben kommt die Nilgans in rund 700 Kommunen in Baden-Württemberg vor, der Bestand hat sich in den vergangenen 15 Jahren verzehnfacht. Aus Sicht des Landes, Baden-Württemberg ist noch „Nilgans-Erwartungsland“ (Klaus Lachenmaier), braucht es ein landesweites Management um v.a. den Umgang mit der Nilgans im Siedlungsraum effektiv lenken zu können. Sarah Schweizer merkte an, dass Tübingen die einzige baden-württembergische Kommune ist, die weder einen durch das Land finanzierten Wildtierbeauftragten noch Stadtjäger eingesetzt hat. Dabei sind die Wildtierbeauftragten für das Management der Nilgans dringend nötig – sie übernehmen einen großen Anteil der Beratung zum Umgang mit der Nilgans und stehen im stetigen Austausch mit den einzusetzenden Stadtjägern. Schweizer schloss mit dem Hinweis, dass das Ministerium im Frühjahr 2027 einen neuen Leitfaden zur Gelegebehandlung herausgeben wird. Die Gelegebehandlung ist eine der effektivsten Maßnahmen zum Eindämmen der Population.

Was kann Tübingen tun?

In der anschließenden Diskussion ging es um die Situation vor Ort. Genannt wurden Gipseier, das Vergrämen mit Falken und die Bejagung. Das Schießen gibt die Stadtsituation allerdings nicht her. Als Ergänzung wurde angeregt, in der Polizeiverordnung ein Fütterungsverbot speziell für Gänse aufzunehmen. Unterstrichen wurde dabei, dass es wichtig ist, über Landkreis- und Gemeindegrenzen hinweg zusammen zu arbeiten.

Klaus Lachenmaier und Sarah Schweizer empfahlen der Stadt Tübingen konkret:

  • einen Wildtierbeauftragten einzusetzen,
  • einen Stadtjäger einzusetzen und dessen Arbeit anschließend zu evaluieren,
  • Hinweisschilder zum Fütterungsverbot aufzustellen, die erklären, dass man durch Füttern in die Population eingreift,
  • grünpflegerische Maßnahmen umzusetzen,
  • Eier statt mit Gipseiern lieber durch Einölen zu behandeln.

Einig waren sich die Beteiligten, dass man zügig und lokal beginnen sollte, bevor man der Nilganspopulation nicht mehr Herr wird. Baden-Württemberg muss sich sonst darauf einstellen, dass die Bestände irgendwann so hoch sind wie in den Nachbarländern Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz. 

Ein herzliches Dankeschön gilt Armin Mozaffari Jovein für die initiale Idee und die Mit-Organisation der Veranstaltung.