Wald und Wild im Dialog - und wie dieser Dialog auch tatsächlich gelingen kann

Man kann, wenn man das will, durchaus mit Erfolg unterschiedlicher Meinung sein. Und Jäger und Waldbesitzer können das. Was dieser Abend an der Hochschule für Forst in Rottenburg mit fast einhundert Teilnehmern eindrücklich gezeigt hat.

Erstellt am

Dabei fing alles mit einem formidablen Wolkenbruch am Abend an. Eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung verdunkelte sich der Himmel und es schüttete plötzlich wie aus Eimern. Endlich ein Ende wochenlanger Hitze, und vielleicht ein Omen für ein reinigendes Gespräch. Sensible Naturen mögen es so empfunden haben, aber der Austausch des Abends war vor allem vom Willen geprägt, erfolgreich Standpunkte auszutauschen und sie auch gegenseitig zu schätzen.

Gegenüber standen sich zwei Modelle: Pachtjagd versus Regiejagd. Ergibt die Regiejagd Sinn - und wie findet sie statt? Luisa Kurzenhäuser von der Forsthochschule stellte das Thema in einem stringenten Vortrag _(hier würde ich den Link hinzufügen)_ dar, machte deutlich, wie weit die Regiejagd interpretiert werden kann und welche Vorteile sie dann auch bieten kann. Es gehe im Wald vorrangig um die „Herstellung tragbarer Schalenwilddichten“. Im Anschluss wurden zwei Jäger befragt, die beide Erfahrungen im jeweiligen Jagdbetrieb gesammelt haben. Florian Holzmüller, mittlerweile Pächter eines Reviers in seiner Heimatgemeinde Wurmlingen, betonte die Vorteile der eigenen Pacht, die darin bestehen, dass man selbstständig Entscheidungen trifft - die aber auch bedingen, dass man immer eine große Verpflichtung verspürt, jagen zu müssen. 

Ralf Brück wiederum, lange Jahre selbst Pächter, empfindet seine jetzige Jagdausführung in der Rottenburger Regiejagd mittlerweile als Befreiung - vor allem, weil er jetzt nicht mehr von mitunter sehr lauten Landwirten Besuch erhält, die ihn ultimativ auffordern, die Sauen aus dem milchreifen Weizen zu holen. Und auch die immer strikteren Vorgaben etwa bei der Wildbrethygiene oder beim Unfallwild machten ihm die Pacht zunehmend unattraktiv. Die Pflicht zur Beseitigung von Fallwild komme der Müllentsorgung gleich.

Für Waldbesitzer, so wurde weiter klar, kann die Regiejagd eine Möglichkeit darstellen, den Wildbestand und damit durch das Wild hervorgerufene Schäden im Forst gezielt zu beeinflussen. Das machte Professor Thorsten Beimgraben von der Hochschule für Forst deutlich: „Die Jagd spielt die Schlüsselrolle für die Waldentwicklung der nächsten Jahrzehnte.“ Der Waldbesitzer müsse sich der Frage stellen, wo soll der Wald stehen, was hat er für Ziele für seinen Waldbestand. Dennoch gehe es nicht darum, an diesem Abend irgend jemanden von der Regiejagd zu überzeugen. Sondern eher darum, in’s Gespräch zu kommen und zu sehen, wie die Regiejagd bei der Waldbewirtschaftung zu einem weiteren hilfreichen Instrument gemacht werden kann. Denn das Prinzip der Pacht hat sich damit in keinem Fall überlebt, im Gegenteil: Eine gut funktionierende Pachtjagd ist für die klima- und waldbaulichen Ziele zumindest gleichwertig, betont auch Kreisjägermeister Markus Küper. Es wurde dann vor allem bei der Nachfrage an die Pächter klar, dass die Jagd im Wald mit einer geringeren Wilddichte klarkommen muss als solche auf Parzellen mit Feld-Wald Übergängen. Beide befragten Jäger haben das in ihrer Streckenentwicklung bemerkt - die Regiejagd im Wald kann mit der Strecke im gemischten Feld und Waldgebiet, wie sie bei der Pacht vorwiegen, nicht mithalten. 

Dennoch muss das Ziel der Wildschadensvermeidung im Forst auch mit Hilfe der Regiejagd weiter verfolgt werden, so Professor Beimgraben - er verdeutlichte das mit der „Pralinenschachtel-Analogie“: So wie in seiner Familie immer die weißen und besten Pralinen aus der Schachtel gleich weg kämen, so sei das auch mit dem Konzentratselektierer Rehwild im Forst, was gleichermaßen natürlich auch für den Mischäser Rotwild (der sich, um im Bild zu bleiben, auch über die Packung hermacht) gilt: Denn „die schlechte Jagd von heute ist der Schälschaden in 20 Jahren.“ Und deswegen können wir „froh sein, wenn der Wald in 50 Jahren noch grün ist“.

Der Wolkenbruch also stand nicht als schlechtes Omen am Beginn dieses Abends, es brauchte kein reinigendes Gespräch. Der Austausch von Informationen, die gelungene Kommunikation wurde beispielhaft vorgelebt. Auch beim anschließenden Kaltgetränk auf dem Gelände der Hochschule. Nach Wochen kaum gekannter Hitze ist die Notwendigkeit des Waldumbaus unumstritten - und die gut organisierte Regiejagd ist neben der etablierten Pachtjagd eines der Instrumente, um auch in 50 Jahren noch in einem grünen Wald zu jagen.