Jagd sichert Artenvielfalt und Wald

Jäger sichern den Erfolg von Forstwirtschaft und Wildtierschutz. Was paradox erscheint erläutern Dr. Lars Stoltze, Vorstand der NABU-Gruppe Tübingen und Götz Graf Bülow, ForstBW, Leiter des Forstbezirkes Schönbuch, am Waldumbau im Schönbuch und am Modellprojekt "Lebensraum für den Kiebitz" im Ammertal.

  • Sarah Schweizer, MdL

  • Dr. Lars Stoltze, NABU

  • Götz Graf Bülow, ForstBW

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Rund 60 Interessierte treffen sich am Mittwoch den 26. Juli zu einem Waldspaziergang der besonderen Art. ForstBW und NABU erläutern, warum Naturschutz nur gemeinsam und mit Jagd gelingen kann.

Feuchtbiotop „Kiebitzacker“ im Ammertal an der Kiliansbrücke

Seit dem Jahr 2012 arbeiten der NABU und seine Mitstreiter daran, den Kiebitz im Ammertal wieder anzusiedeln. Dafür werden verschiedene Flächen von Gehölzen befreit und weitläufige Vernässungsstellen geschaffen. Die Arbeiten dauern über Jahre und werden durch das Regierungspräsidium, die Stadt Tübingen, Landwirte und NABU-Aktive stetig vorangetrieben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. In den letzten zwei Jahren gab es im Ammertal wieder bis zu 8 Kiebitz-Brutpaare. Zudem siedelten sich zahlreiche bedrohte Amphibien und andere stark bedrohte Offenland-Vogelarten, wie zum Beispiel das Rebhuhn wieder an.

„Derartige Projekte gelingen dann besonders gut, wenn der Lebensraum artgerecht gestaltet und von den Hauptfeinden der Wiesenbrüter freigehalten wird“, sagt Dr. Lars Stoltze vom NABU. „Und dafür braucht es hier im Ammer- und Neckartal die Mithilfe der Jäger. Sie können dafür sorgen, dass Füchse oder Waschbären gemäßigt vorkommen, so dass der Kiebitz eine Chance bekommt.“

Schönbuch im Umbau

Schon seit langem stemmen sich Waldbauern und Förster gegen die negativen Folgen des Klimawandels für den Wald. Auch der Naturpark Schönbuch bleibt nicht verschont. Monokulturen weichen meist zugunsten der gelenkten Naturverjüngung. Der Gedanke dahinter ist simpel: Wald, der aus unterschiedlichsten Baumarten und Altersstufen natürlich aufwächst, ist gegen Trockenheit, Starkregen, Frost und Wind besonders gut gerüstet.

Insbesondere Stiel- und Traubeneichen, Hainbuchen, verschiedene Ahornarten, Douglasien und Roteichen sollen den Wald ertüchtigen. Der Haken dabei: Die Knospen und Schösslinge dieser Baumarten werden von den Rehen als Nahrung ganz besonders geschätzt und daher bevorzugt gefressen. Dies führt leider häufig zum Ausfall der jungen Pflanzen. „Deshalb gilt es, den Wildbestand so zu regulieren, dass diese Baumarten eine Chance haben, im Wald hochzukommen“, sagt Götz Graf Bülow (ForstBW). „Deshalb ist der Waldumbau langfristig nur mit der konsequenten und örtlich zielgerichteten Bejagung möglich.“

Hand in Hand

Zu diesem Waldspaziergang hat die Kreisjägervereinigung Tübingen und der Stadtverband der CDU eingeladen. Die Jagdpolitische Sprecherin der CDU im baden-württembergischen Landtag, Frau Sarah Schweizer, sichert den Teilnehmern Unterstützung zu und regt an, diese Veranstaltung als Blaupause für andere Kreise zu benutzen.

Das Bläsercorps der KJV Tübingen begrüßt die Spaziergänger mit Jagdhornsignalen und Musik im Hofgut Schwärzloch. Der Abend klingt im Anschluss gemütlich mit einem Umtrunk und Vesper aus. „Die gute Zusammenarbeit von NABU Ortsverband Tübingen, Jagd und Forst BW im Kreis Tübingen wird heute am Abend für alle sichtbar“, schlussfolgert Dr. Markus Küper, Kreisjägermeister in Tübingen. „Gut, dass beim Natur- und Wildtierschutz alle an einem Strang ziehen“, ergänzt Armin Mozaffari, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes.