Kitzrettung: Die zweite Geburt

Kaum auf der Welt, legen Rehe ihre Kitze gut versteckt im hohen Gras ab. Damit sind sie sicher vor natürlichen Feinden. Wird die Wiese aber gemäht, hat das Kitz keine Chance. Es ist zum Tode verurteilt. Lesen Sie hier, wie Landwirte und Jäger gemeinsam Rehkitze finden und retten.

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Um kurz nach 3 Uhr morgens am Vatertag ist die Nacht zu Ende. Jäger, Landwirte und das Kitzrettungsteam der Kreisjägervereinigung Tübingen machen sich auf den Weg in die verabredete Feldflur außerhalb der Städte und Gemeinden. Alle sind hellwach und freuen sich auf den ersten Einsatz. Das Ziel ist klar vor Augen: Alle Kitze in den Wiesen zu finden, die kurz darauf gemäht werden müssen. 

„Kitzrettung betreiben Jäger schon seit langem“, sagt Stefan Schaupp, stellvertretender Leiter des Drohnenteams der KJV Tübingen. „Aber die Natur macht es uns schwer, die Kitze zu finden.“ Bei Gefahr drücken diese sich tief auf den Boden und machen sich so fast unsichtbar. Zudem sind sie fast geruchslos. Deshalb können Hunde die Kitze eher nur zufällig finden und dem Jäger anzeigen. Daher werden oft trotz aller Mühen Kitze in der Mahd getötet. 

Drohnen: Wunderwerke der Technik 

„Drohnen erleichtern die Suche ungemein“, sagt Sandra Schäfer, Leiterin des Drohnenteams für die Kitzrettung bei der KJV Tübingen. „Mit den ausgeklügelten Wärmebildkameras können wir Kitze rasch entdecken“. Die Kameras sind inzwischen so präzise, dass sie den Unterschied zwischen Feldmäusen oder Hasen und einem Kitz für das menschliche Auge sichtbar machen. Und trotzdem müssen die Kitzretter ein geschultes Auge haben, wenn sie das Kitz in der Wiese finden wollen. Denn in der Morgendämmerung, dem hohen Gras, der perfekten Tarnung und dem Duck-Reflex ist das Kitz oft schwer zu erkennen. Ein Wermutstropfen bleibt: Wärmebildkameras funktionieren bei der Kitzrettung besonders gut, wenn der Temperaturunterschied zwischen Kitz und Umgebung groß ist. „Dieser Unterschied ist in den frühen Morgenstunden eben besonders groß“, sagt Sandra Schäfer. „Deswegen ist Kitzrettung eine Aufgabe für Lerchen“. 

Mit Hilfe der Drohnen, einer straffen Organisation und ausdauerndem Engagement der Retter, Landwirte und Revierpächter gelingen in diesem Frühjahr 268 Kitzrettungen – mehr als vier Mal so viel wie im vergangenen Jahr. An jedem der 28 Einsatztage wird immer wieder deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel und der Zusammenhalt von Jägern, Revierpächtern, Landwirten und den Rettungsteams ist. Dabei helfen sich Revierpächter immer wieder gegenseitig aus und bringen Freunde und Familie mit, damit die Rettungen gut gelingen und die Landwirte im Anschluss die Wiesen mähen können. Die Aufgaben sind klar verteilt: Der Landwirt informiert darüber, welche Fläche gemäht werden muss, der Jäger kennt die optimalen Ablagestellen für die geretteten Kitze und das Rettungsteam beherrscht die Technik und Suche. Die Summe daraus macht den Erfolg! 

Strahlende Gesichter 

Immer wieder sind selbst die Jäger und Landwirte überrascht, dass das Drohnenteam Kitze an völlig unerwarteten Stellen entdeckt. „Und wenn sie dann ein Kitz finden und vorsichtig anheben – dann sehe ich nur strahlende Gesichter“, sagt Sandra Schäfer. Vielleicht hat auch einer der hart gesottenen schon mal ein Freudentränchen verdrückt, wenn er das Kitz dann in eine andere Wiese oder am Waldrand gut geschützt und „wie zum zweiten Mal geboren“ ablegt und gewiss sein kann, dass das Muttertier das Kitz weiter gut versorgt. 

Bilder und Videos der Kitzretter KJV Tübingen: https://www.instagram.com/kitzretter_kjv_tuebingen/?igshid=YmMyMTA2M2Y%3D  

„Ich danke allen Beteiligten für diese sehr gute Leistung! Ich bin davon überzeugt, dass dieses Team auch im nächsten Jahr wieder aktiv Landwirte und Jäger zusammenbringen und Kitze retten wird“, sagt Kreisjägermeister Markus Küper. „Dafür sind moderne Drohnen und viel Engagement unerlässlich. Geld- und sachdienliche Spenden stützen diese wichtige Arbeit für den Natur- und Tierschutz ungemein!“

Bitte richten Sie Ihre Fragen und Anregungen an: 

Sandra Schäfer, Telefon: 0157-73414879, Mail: schaefer.san@web.de 

Stefan Schaupp, Tel: 0178-2962127 Mail: lernortnatur@kjv-tuebingen.de