Prof. Dr. Walter Jäger aus Amt verabschiedet

An der diesjährigen Jahreshauptversammlung ist unser langjähriger Kreisjägermeister Prof. Dr. Walter Jäger nach 21 Jahren aus dem Amt gegangen. Diesen Schritt tat er gemeinsam und gut vorbereitet mit seinem Stellvertreter Jürgen Halm. Am Abend der Jahreshauptversammlung wurde nun ein neuer Kreisjägermeister (Dr. Markus Küper) und Zwei Stellvertreter (Manfred Roth und Prof. Dr. Tobias Walker) ins neue Amt gewählt. Verabschiedet wurde Walter Jäger nicht nur durch den Vorstand der KJV sondern auch in gebührender Weise durch den Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann.

 

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Das Schwäbische Tagblatt hat am 20. Oktober darüber berichtet: 

 

Jagd im Namen und als Berufung

Walter Jäger greift zu der Wasserflasche, die für ihn im Konferenzraum der TAGBLATT-Redaktion bereitsteht. Er beginnt das Etikett auf der Rückseite der Glasflasche zu studieren: „Es gibt Sprudelflaschen, da stehe ich hinten drauf, weil ich mit meinem chemischen Institut das Wasser untersucht habe. Das hier wurde aber nicht von uns geprüft“, Jäger stellt die Flasche wieder hin, trinkt einen Schluck und schaut auf. „Wir trinken hier gerade Medium. Medium hat ungefähr zwei Gramm Kohlensäure pro Liter und damit ist das Wasser automatisch steril. Das muss man nicht entkeimen, dass ist keimfrei, weil Kohlensäure bakterizid wirkt“, zufrieden nimmt er noch einen Schluck.

Walter Jäger ist ein vielseitig interessierter und engagierter Mensch, den man wohl kaum auf eine Arbeit festnageln kann. So ist er Diplomchemiker, gründete in Tübingen das chemische Institut Dr. Jäger. Nebenher arbeitete er unter anderem viele Jahre bei der freiwilligen Feuerwehr, war Mitbegründer der Stiftung „Stadtkapelle Rottenburg“, rief die Stiftung „Präventive Jugendhilfe“ ins Leben und bekam für seine Arbeit 2016 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen.

Ganz besonders engagiert sich Walter Jäger allerdings in einem bestimmten Bereich, dem Jagen. Ein Amt, eine Berufung, die ihm praktisch schon in die Wiege gelegt wurde: „Mein Großvater war Jäger, mein Vater war Ingenieur und nebenher auch Jäger. Ich bin also der Dritte in der Familie, der zum Jagen gekommen ist.“ Jedoch brauchte es ein wenig, bis sich Jäger dazu entschied, in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters zu treten.

Mit 18 Jahren wollte er noch keinen Jagdschein machen. Wieso? „Für mich und meinen Bruder war es einfach zu viel, was wir in der Familie an Gesprächen über die Jagd und die Jägerei haben hören müssen. Mein Großvater hat Wildsäue schon am frühen Morgen gebracht, ich habe am Samstag zum Treiben mitmüssen. Es war einfach zu viel des Guten.“

Sein Bruder wanderte nach Indien aus und sollte nie Jäger werden, „der hat das durchgehalten“. Walter Jäger selbst überlegte es sich während seiner Uni-Zeit als Chemiestudent in Tübingen nochmals anders und wurde mit 23 Jahren zum Jäger.

Inzwischen hat er sich in Tübingen, aber auch über den Kreis hinaus einen Namen als herausragender Jäger gemacht. 21 Jahre lang war er Kreisjägermeister, für drei Perioden war er Bezirksjägermeister und damit der erste, den die Tübinger Kreisjägervereinigung jemals gestellt hatte. Das Jagen und die Jagdkultur mit all ihren Facetten liegen ihm dabei sehr am Herzen, das merkt man schnell. So waren es nicht nur die Ehrenämter des Kreis- und Bezirksjägermeisters, die er mit viel Engagement ausfüllte, er war insgesamt 24 Jahre Obmann der Tübinger Jagdhornbläser und von 2011 bis 2019 Vertreter des Landesjagdverbands im Tierschutzbeirat des Landes.

Wie es bei all seinen Interessen und Projekten der Fall ist, möchte sich Walter Jäger einbringen, er möchte mitwirken und das Bestehende optimieren und reformieren. Einige Jahre saß er an der Überarbeitung des „Grünen Liederbuchs“, ein Jägerliederbuch, das die wesentlichen Lieder, die bei den Jägern und Förstern seit vielen Jahrzehnten gesungen wurden, versammelt. Jäger war es wichtig, das Werk noch zugänglicher zu machen und so gibt es in seiner Ausgabe, dem „neuen grünen Liederbuch“, neuerdings Noten. In seiner Kolumne „Jäger und Umwelt“ integrierte er seine naturwissenschaftliche Sachkenntnis und machte sich dabei unter anderem für die Bleiminimierung stark. Und so sehr der Wahl-Tübinger ein Vollblut-Jäger ist, so wichtig ist es ihm auch immer wieder, den Berufsstand des Jägers zu hinterfragen, denn: „Wir Jäger schießen, vereinfacht gesagt, Wildtiere tot.“

Nach 21 Jahren wird sich Walter Jäger nun vom Amt des Kreisjägermeisters zurückziehen: „Es ist ein guter menschlicher Zug, zu erkennen, dass es jetzt Zeit ist. Obwohl ich wirklich ungern aufhöre.“ Und er wird wohl langsam auch eine Pause nötig haben, denkt man bei sich. Falsch gedacht! Denn Jäger arbeitet schon an seinem neuen Projekt: einem Buch über die Wasservorkommen im Schönbuch. An Ruhestand ist wohl vorerst nicht zu denken.

Zur Person

Walter Jäger wurde 1946 in Nendingen geboren, das heute zu Tuttlingen gehört. In Tübingen studierte er Chemie, bevor er im Jahr 1977 das Institut Dr. Jäger gründete – zunächst ein kleiner Ein-Mann-Betrieb in der Eugenstraße. Später hatte das Institut bis zu 60 Beschäftigte in mehreren Laboren.

Ich bin also der Dritte in der Familie, der zum Jagen gekommen ist.

Walter Jäger, Jäger